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Straße der Industriekultur: Computer im alten Kanonenschuppen in Erfurt

Erstellt von Dietmar Grosser, TA |

Im Jahre 2004 zog das Software-Unternehmen NT AG in das denkmalgeschützte historische Gebäude.

Halb Erfurt war einst ein Exerzierplatz. Als die Stadt 1803 preußisch wurde, übernahm die Armee von König Friedrich Wilhelm III. das Gelände gleich hinter dem Dom. Dort übten fortan Soldaten der preußischen Armee das Marschieren. Auch, wie man eine Kanone lud, das wurde hier immer wieder trainiert. 

Nur ein paar Meter weiter, direkt hinter dem Dom, wurde deshalb im Jahr 1832 ein Gebäude errichtet, um die Geschütze in den Pausen oder nach Feierabend unterzustellen – der Kanonenschuppen eben. Bevorstehende Kriege galten zu allen Zeiten als Konjunktur-Motor der besonderen Art. Nachdem sich das in Sömmerda erfundene Zündnadelgewehr als besonders erfolgreich in den Gefechten dieser Zeit erwies, wurde der Erfurter Produktionsstandort des Gewehres Zug um Zug erweitert und ausgebaut.

Nach dem Krieg wurde Kanonenschuppen zum Rechenzentrum

Allein der Erste Weltkrieg sorgte dafür, dass die nur eine Straße weiter liegende Königliche Gewehrfabrik gewaltige Ausmaße annahm. So explodierte die Zahl der Beschäftigten und stieg damit zeitweilig von 2600 auf über 16.000 Mitarbeiter an, die Gewehre, Revolver und MGs für die Soldaten an der Front zu bauen hatten.

Als dann – nach zwei Weltkriegen – endlich der Frieden einzog, nutzte man den einstigen „Kanonenschuppen“ zu DDR-Zeiten als Standort für das Rechenzentrum des Schreibmaschinenherstellers Optima. 

Mit der Wende zeichnete sich sehr schnell das Aus für die Schreibmaschinen aus Erfurt ab. Längst waren die ersten Computer mit ihren Druckern auf dem Markt, sodass die letzten Stückzahlen noch ein paar Jahre lang allenfalls von afrikanischen, arabischen oder russischen Händlern abgenommen wurden.

NT AG zog ein

Mit dem Aus der Schreibmaschinen-Marke Optima aber suchte die Thüringer Landes-Entwicklungsgesellschaft einen neuen Nutzer für das unter Denkmalsschutz stehende Objekt. Schließlich nagte der Zahn der Zeit schon an der ungenutzten aber schönen historischen Bausubstanz, bis schließlich mit der NT AG Ende 2003 ein neuer Eigentümer gefunden werden konnte. Hier schloss sich gewissermaßen der Kreis zur Optima-Zeit: Wieder zogen Rechner in das ehrwürdige Gebäude ein, denn die NT AG hat sich auf Softwarelösungen im Informationsmanagement sowie IT-Serviceleistungen spezialisiert.

Im November 2004 wurde das frisch sanierte Gebäude mit einem symbolischen Kanonenschuss eingeweiht. Über Erfurt hinaus aber wurde der Kanonenschuppen durch eines bekannt: Filmemacher nutzten ihn als Kulisse für eine Tatort-Serie.

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